Waldangelbach Mühlhausen

Mühlhausen, Baden-Württemberg

Bereits in den Jahren 1969 und 1978 mussten die Verbandsgemeinden des Abwasser- und Hochwasserschutzverbandes Wiesloch (Dielheim, Wiesloch, Mühlhausen und Rauenberg) leidvolle Erfahrungen mit Überflutungsschäden machen. Aus diesem Grund wurde seitens des neu gegründeten Abwasser- und Hochwasserschutzverbandes Wiesloch beim Institut für Wasserwirtschaft und Kulturtechnik (IWK) der Universität Karlsruhe die Erarbeitung eines neuen Hochwasserschutzkonzeptes zur Anpassung des Hochwasserschutzgrades am Leimbach-Oberlauf und am Waldangelbach in Auftrag gegeben. Darüber hinaus ist die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie im Verbandsgebiet ein weiteres wichtiges Ziel des AHW.

Projektbeschreibung

Das Einzugsgebiet des Waldangelbaches liegt im nördlichen Teil des Kraichgauer Hügellandes. Der Waldangelbach besitzt seine Quelle nördlich von Waldangelloch in der Nähe von Eichelberg und verläuft danach in nordwestlicher Richtung bis zu seiner Mündung in den Leimbach westlich des Stadtkerns von Wiesloch. Innerhalb des Verbandsgebietes, welches flussaufwärts von Mühlhausen mit dem Hochwasserrückhaltebecken Mühlhausen beginnt, passiert der Waldangelbach noch die Ortslagen Mühlhausen, Rotenberg und Rauenberg.

Bereich Kleingärten
Der hydraulisch überlastete Gewässerabschnitt in der Ortslage Mühlhausen verläuft parallel zu der Unteren Mühlstraße und der ehemaligen Bahntrasse. Zwischen Station 6 + 204 und 6 + 294 liegt das in Fließrichtung linke Ufer teilweise tiefer als das rechte. Dadurch kommt es zu Überflutungen in Richtung der ehemaligen Bahntrasse bzw. des Almenweges. Durch eine Querschnittsaufweitung, bei der beide Böschungen mit Hilfe einer Blocksteinmauer gesichert werden, soll eine Überflutung der betroffenen Flächen verhindert werden. Die Blocksteinmauer wird mit Hilfe von quaderförmigen Muschelkalksteinen HMB 300/1000 errichtet. Die Blocksteine werden 30 cm stark in Einkornbeton gebettet. Die horizontalen und vertikalen Lagerfugen müssen zwingend von Beton frei gehalten werden Der Blocksteinsatz wird 4-reihig aufgebaut, wobei zur Begünstigung der Standsicherheit die unterste Steinreihe mit eine Auflagerbreite von 0,8 bis 1,2 m ausgeführt wird. Hier ist ein Wasserbaustein HMB 1000/3000 zu verwenden. Die Gründung des Blocksatzes erfolgt auf einem 40 cm mächtigen Grobschlag 40/90 mm.

Die Blocksatzhinterkante sollte nach Abschluss der Arbeiten mit der Grundstücksgrenze der Anlieger übereinstimmen bzw. an den bestehenden Einfriedungen enden. Der Blocksatz ist entsprechende dem Gefälle des Waldangelbaches zu versetzen. Im Zuge dessen wird die bestehende marode Holzbrücke im Bereich des Almenweges abgerissen und entsorgt. Sie wird durch einen neue Fuß und Radweg – Brücke ersetzt. Die Brücke wird in Anlehnung an die bereits in Rauenberg gebauten Brücken aus Stahl hergestellt. Die Zuwegung ist nach Möglichkeit so herzustellen, dass der hergestellte verrohrte Bachabschnitt für die Wasserhaltung als Baustraße genutzt werden kann.

Umbau Wehranlage Untere Mühle
Das bestehende Wehr der Unteren Mühle stellt für die Fischwanderung ein Hindernis dar. Um die Durchgängigkeit für die Fische zu gewährleisten, ist ein Umgehungsgerinne geplant, da das aktuelle Wasserecht bestehen bleibt und somit kein Rückbau der Wehranlage erfolgen kann. Momentan wird die Untere Mühle als Mahlmühle und Kleinkraftwerk genutzt. Im Zuge der Wiederherstellung der Durchgängigkeit soll die Wehranlage modernisiert und mit einer 7,00 m breiten hydraulischen Wehrklappe ausgestattet werden. Die Regulierung erfolgt elektrisch und mit Hilfe eines Steuerschwimmers. Dadurch ist es möglich, den Wasserspiegel konstant auf der für den Mühlenbetrieb erforderlichen Einstauhöhe zu halten. Im Hochwasserfall klappt die Wehrklappe soweit um, dass ein HQ 100 einschließlich Lastfall Klimaänderung abgeführt werden kann. Im sich anschließenden, mit einem Steinsatz (LMB 10/60, in Beton C 12/15) ausgebildeten, Tosbecken wird die hohe kinetische Energie des austretenden Wassers durch Verwirbelungen in Wärme umgewandelt. Zusätzlich werden 
die Böschungen mit einer Steinschüttung (LMB 10/60 bzw. LMB 5/40) bzw. einem Steinsatz (LMB 10/60 in Beton C 12/15) gesichert. Der Querschnitt des Umleitungsgerinnes wurde für die schadlose Abführung eines Hochwassers ausgelegt.

Die geplante Fließwasserverbindung wird ca. 90 m lang und ein Gefälle von ca. 2,8 % aufweisen. Im Oberwasser wird der Ausstieg, in Form einer Einlauftrompete, bachaufwärts im Anschluss an die neu gestaltete Wehranlage gelegt. Die Sohlanrampung mit einer Steigung von 1 : 2 bietet allen Flusslebewesen Zugang. Treibgut wird von der Tauchwand abgehalten. Bei einer vorausgesetzten Ausleitungswassermenge von mind. 110 l/s und einer mittleren Fließgeschwindigkeit von 0,4 m/s und 0,6 m/s finden aufstiegswillige Fische ausreichende Bedingungen. Das Umleitungsgerinne wird im kompletten Sohlbereich mit Bentonitmatten ausgelegt, um eine Versickerung des Wassers zu verhindern. Darauf wird eine Kies – Schotter Schicht aufgebracht Im zwischen 0,80 m und 1,00 m breiten Umleitungsgerinne wird ein ca. 20 cm starkes Sohlsubstrat eingebracht. Darauf werden Stör- und Lenksteine in unterschiedlichen Größen eingebaut.

Der unterwasserseitige Einstieg in die Fließverbindung liegt ca. 30 m von dem Turbinenhaus entfernt. Um die Fließgeschwindigkeit zu erhöhen und damit eine ausreichende Lockströmung zu erhalten, ist geplant, den Übergang zwischen Umleitungsgerinne und Waldangelbach mit einer in einem Steinriegel integrierten Öffnung zu gestalten. Die Planung des Umleitungsgerinnes wurde zusammen mit dem Fischereisachverständigen bei einem gemeinsamen Erörterungstermin durchgesprochen und entsprechend angepasst.

Böschungssicherungsmaßnahme
Am Gebäude „Untere Mühlstraße 33“ sind in der Vergangenheit Setzungserscheinungen und damit verbundene Schadensbilder aufgetreten. Des Weiteren sind die Uferböschungen in diesem Bereich über längere Zeit nicht standsicher, da sie in der Vergangenheit immer wieder nachbrachen und nur provisorisch hergestellt wurden. Das Büro Töniges GmbH kommt im Rahmen seiner geologischen Untersuchung zu dem Ergebnis, dass die Gebäudeschäden auf dauerhafte Bewegungen im Untergrund hinweisen.

Laut Gutachten ist davon auszugehen, dass „in Zukunft auch ohne neue bauliche Einwirkungen weitere Setzungsbewegungen zu erwarten sind“ (Ing.-geol. Gutachten, Töniges GmbH 2009, S.18).  ls Böschungssicherung des Bachufers entlang der Gebäude wird vom Büro Töniges GmbH empfohlen, mindestens 5,00 m in den Baugrund eingebundene Spundwände mittels eines Baggerlöffels einzudrücken.

Das Einrammen oder Vibrieren sollte vermieden werden, da dies zu weiteren Setzungsbewegungen im Baugrund führen könnte. Im Vorfeld hat ein Schurf zu erfolgen um die Gründung des Gebäudes festzustellen. Laut alten Bestandsplänen ist das Gebäude in Richtung
Bach bis ca. 2,60 m unter GOK gegründet.

Gewässerökologischer Umbau Bahnhofstraße / Dielheimer Straße
Der Bachlauf ist neu zu gestalten und es sollen zukünftig morphodynamische Prozesse im Rahmen des bereitgestellten Fließquerschnittes zugelassen werden. Die Böschungen werden mit unterschiedlichen Neigungen neu gestaltet. Durch die Anordnung von Fischpasssteinen (nach dem Wiegnerischen Prinzip), Totholz und Inseln soll ein Anstoß zur Gewässerstrukturentwicklung des Gewässerabschnittes gegeben werden. Die strömungslenkenden Elemente verhelfen dem Waldangelbach zu differenzierten Strömungen. Im Bereich der des rechten Ufers ist eine Verblendung aus Naturblocksteinen geplant. Diese wird mit Hilfe von quaderförmigen Muschelkalksteinen HMB 300/1000 errichtet. Die Blocksteine werden 30 cm stark in Einkornbeton gebettet. Die horizontalen und vertikalen Lagerfugen müssen zwingend von Beton frei gehalten werden Der Blocksteinsatz wird 4-reihig aufgebaut, wobei zur Begünstigung der Standsicherheit die unterste Steinreihe mit eine Auflagerbreite von 0,8 bis 1,2 m ausgeführt wird. Hier ist ein Wasserbaustein HMB 1000/3000 zu verwenden. Die Gründung des Blocksatzes erfolgt auf einem 40 cm mächtigen Grobschlag 40/90 mm.Entlang dieser Natursteinmauer wird der Waldangelbach durch das Anlegen von Fischunterständen aufgewertet werden.

Im Zuge der Arbeiten am Waldangelbach wird eine Bewirtschaftungsweg parallel zum Gewässerverlauf mit einer hydraulisch gebundenen Deckschicht hergestellt. Der Weg besteht aus einer 38 cm starken Schotterschicht, darüber eine 8 cm starkes Splitt – Sand Gemisch.
Die Deckschicht besteht aus 2 cm Brechsand. Des Weiteren soll am Bach ein Erlebnisspielplatz gestaltet werden.

Umbau Wehranlage Obere Mühle
Die veraltete Wehranlage mit Holzschützen schlägt zur Zeit in einen hydraulisch ungünstigen 90 Grad Winkel ab. Infolgedessen ist die Leistungsfähigkeit des Waldangelbaches in diesem Bereich eingeschränkt. Hinter der Wehranlage befindet sich ein 0,86 m hoher Absturz mit anschließender Stahlbeton-Schussrampe. Dadurch ist eine Längsdurchgängigkeit des Waldangelbaches nicht gegeben. Das Wasserrecht wird zurückgegeben es ist daher geplant, die bestehende Wehranlage (Schütztafeln, Windwerk, Pfeiler), einschließlich des Triebwerkkanals sowie die Stahlbetonrampe „trocken“ zu legen und zu erhalten. Da es sich um ein Kulturdenkmal nach §2 DSchG handelt ist eine Restaurierung der Schützanlage anzustreben und mit der Denkmalpflege abzustimmen. Die Restaurierungsarbeite sind nicht Bestandteil der Ausschreibung.

Die Wehranlage ist über die gesamte Bauzeit zu erhalten und entsprechend zu sichern. Zur Herstellung der Längsdurchgängigkeit ist der Bau einer insgesamt ca. 78 m langen rauen Sohlrampe mit einer Neigung von 1 : 20 geplant. Sie erstreckt sich auf einer Länge von 44 m mit einer sich anschließenden 0,80 m starken Kolkeintiefung (L = 16,00 m) und einem 18,00 m langen Nachbodenschutz. Die Wehrmauer kann dafür so weit wie nötig abgebrochen werden. Die Anforderungen des Denkmalschutzes sind zu beachten. Als Zuwegung wir ein Bewirtschaftungsweg mit einer hydraulisch gebundenen Deckschicht hergestellt. Der Weg besteht aus einer 38 cm starken Schotterschicht, darüber eine 8 cm starkes Splitt – Sand Gemisch. Die Deckschicht besteht aus 2 cm Brechsand. Über den Waldangelbach wird im Zuge des Bachausbaus eine ca. 9,50 m lange Fußgängerbrücke gebaut um die Wehranlage zur Besichtigung zu erreichen.

Die Deckwerksbemessung für die raue Sohlrampe ergab eine ca. 0,80 m starke Steinschüttung mit Wasserbausteinen LMB 5/40 (TLW 2003) auf einer 20 cm mächtigen Filterschicht aus Grobschlag 40/60 mm und Geotextilvlies als Trennlage. Im Zu- und Ablauf der Sohlrampe werden Spundwände gegen rückschreitende Erosion in den Untergrund eingebracht. Die bestehende hydraulisch ungünstige Abwinklung wird durch die neue Linienführung günstiger gestaltet. Jedoch sollen die Eingriffe in die Landschaft, insbesondere in die Uferund Böschungsvegetation auf ein Minimum beschränkt bleiben. Die Neigung der Uferböschung des neu gestalteten Gewässerverlaufes ist mit 1 : 4 gewählt worden. Im Bereich des ursprünglichen Bachbettes soll die Böschung, sofern möglich, erhalten und nur in sehr steilen Bereichen mit Blocksätzen umgestaltet und gesichert werden. Die Sohlbreite der rauen Rampe wurde zwischen 1,00 m und 1,50 m gewählt. Zur Gewährleistung einer ausreichenden Wassertiefe bei Niedrigwasser ist eine im Bereich der Sohlrampe eingetiefte mäandrierende Trockenwetterrinne vorgesehen.

Der wilde Verbau im Zulaufbereich der rauen Rampe wird, soweit möglich, entfernt und die Böschung in diesem Bereich durch eine Blocksteinmauer gesichert. Diese wird mit Hilfe von quaderförmigen Muschelkalksteinen HMB 300/1000 errichtet. Die Blocksteine werden 30 cm stark in Einkornbeton gebettet. Die horizontalen und vertikalen Lagerfugen müssen zwingend von Beton frei gehalten werden Der Blocksteinsatz wird 4-reihig aufgebaut, wobei zur Begünstigung der Standsicherheit die unterste Steinreihe mit eine Auflagerbreite von 0,8 bis 1,2 m ausgeführt wird. Hier ist ein Wasserbaustein HMB 1000/3000 zu verwenden. Die Gründung des Blocksatzes erfolgt auf einem 40 cm mächtigen Grobschlag 40/90 mm.

Projektsteckbrief

  • Bauherr:
    AHW Wiesloch
    Fon: +49 6222 57060
  • Bausumme: 1.366.000 Euro
  • Bauzeit: April 2017 bis April 2018
  • Ort: Mühlhausen
  • Bundesland: Baden-Württemberg

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